Wie ich an die Bekenntnisse rangehe
Ich treffe hin und wieder Leute, denen Augustinus’ Bekenntnisse echte Probleme bereiten, die mit dem Text einfach nicht richtig warm werden. Manchen ist der Text zu pessimistisch, anderen zu offen, wieder anderen zu fromm.
Als ich zum ersten Mal die Confessiones aufschlug, da war ich mir über die Doppelbedeutung des Titels noch gar nicht wirklich im Klaren. Aber während der Lektüre kam dann so ein „Hey! Wart mal!“-Moment und ab da ging alles noch viel leichter. Confiteri bedeutet sowohl bekennen im Sinne von beichten als auch bekennen im Sinne von anerkennen (zum Beispiel Göttlicher Majestät und Riesenhaftigkeit). Und die Confessiones sind tatsächlich beides: Einerseits ein ziemlich schonungsloser Blick auf die gefallene Natur des Menschen und das nicht eben zaghafte Eingestehen derselben, andererseits ein nicht enden wollendes Lobpreisen Gottes. Und genau hier liegt der tonnenschwere Unterschied zwischen der Autobiographie des Heiligen Augustinus und den zigtausend Autobiographien tatsächlicher oder selbsternannter Größen, die heute den Markt zukleistern: In den Confessiones geht es weder darum, ein voyeuristisches Publikum durch detailgetreue Enthüllungen zu befriedigen, noch sucht hier ein irgendwie mental unbalanciertes Individuum durch gnadenlos-selbstquälerischen Seelenstriptease auf sich aufmerksam zu machen.
Augustinus setzt sich als beinahe fünfzigjähriger Mann hin, legt Rechenschaft über seine Vergangenheit ab und sieht alles in Relation zu Gott und seiner Liebe, seiner Gnade. Hier liegt wohl der Zauber, den die Confessiones auch nach sechzehn Jahrhunderten immer noch ausüben. Denn wenn eines während der Lektüre dieses Buches klar wird, dann dies: Auf Gottes Liebe, auf Gottes Gnade und auf die richtige Gelegenheit zum richtigen Zeitpunkt kann man sich verlassen. Man muß nur den Mumm haben, auch mal abzuspringen. Man muß irgendwann auch mal das Abwägen beenden und „Jawoll!“ sagen. Hab ich mit 35 Lenzen getan. Hat mir bis jetzt noch nicht geschadet.
Tip: Wenn Ihr gescheiterte Confessiones-Leser seid und es irgendwann nochmal versuchen wollt, dann ersetzt das Augustinische „Ich“ mal durch Euer „Ich“. Es werden einige unangenehme aber auch heilsame Parallelen auftauchen.
Als ich zum ersten Mal die Confessiones aufschlug, da war ich mir über die Doppelbedeutung des Titels noch gar nicht wirklich im Klaren. Aber während der Lektüre kam dann so ein „Hey! Wart mal!“-Moment und ab da ging alles noch viel leichter. Confiteri bedeutet sowohl bekennen im Sinne von beichten als auch bekennen im Sinne von anerkennen (zum Beispiel Göttlicher Majestät und Riesenhaftigkeit). Und die Confessiones sind tatsächlich beides: Einerseits ein ziemlich schonungsloser Blick auf die gefallene Natur des Menschen und das nicht eben zaghafte Eingestehen derselben, andererseits ein nicht enden wollendes Lobpreisen Gottes. Und genau hier liegt der tonnenschwere Unterschied zwischen der Autobiographie des Heiligen Augustinus und den zigtausend Autobiographien tatsächlicher oder selbsternannter Größen, die heute den Markt zukleistern: In den Confessiones geht es weder darum, ein voyeuristisches Publikum durch detailgetreue Enthüllungen zu befriedigen, noch sucht hier ein irgendwie mental unbalanciertes Individuum durch gnadenlos-selbstquälerischen Seelenstriptease auf sich aufmerksam zu machen.
Augustinus setzt sich als beinahe fünfzigjähriger Mann hin, legt Rechenschaft über seine Vergangenheit ab und sieht alles in Relation zu Gott und seiner Liebe, seiner Gnade. Hier liegt wohl der Zauber, den die Confessiones auch nach sechzehn Jahrhunderten immer noch ausüben. Denn wenn eines während der Lektüre dieses Buches klar wird, dann dies: Auf Gottes Liebe, auf Gottes Gnade und auf die richtige Gelegenheit zum richtigen Zeitpunkt kann man sich verlassen. Man muß nur den Mumm haben, auch mal abzuspringen. Man muß irgendwann auch mal das Abwägen beenden und „Jawoll!“ sagen. Hab ich mit 35 Lenzen getan. Hat mir bis jetzt noch nicht geschadet.
Tip: Wenn Ihr gescheiterte Confessiones-Leser seid und es irgendwann nochmal versuchen wollt, dann ersetzt das Augustinische „Ich“ mal durch Euer „Ich“. Es werden einige unangenehme aber auch heilsame Parallelen auftauchen.

