Aus einer Auslegung zu Psalm 48 (47)
- So reden die, die sich selbst versprechen, was Gott ihnen nicht versprochen hat. Sie sagen, wenn wir ein schlechtes Leben führen, den Genüssen dieser Welt frönen, unseren Begierden dienen, wird Gott uns dann verderben? Wie viele sind es denn, die wir das Gebot Gottes halten sehen? Es findet sich kaum einer oder zwei, oder ganz wenige sind es. Wird Gott sie allein retten und die Übrigen verwerfen? Nein, nein, sagen sie. Wenn er kommt und eine solche Menge zu seiner Linken (vgl. Mt 25,33) sieht, wird er sich erbarmen und Verzeihung gewähren. Eben das hat auch die Schlange dem ersten Menschen versprochen. Denn Gott hat mit dem Tod gedroht, wenn der Mensch esse. Die Schlange aber sprach: "Nein, ihr werdet nicht sterben." Sie glaubten der Schlange und mußten erfahren, wie wahr die Drohung war, die Gott ausgesprochen, und wie falsch das Versprechen war, das der Teufel gegeben hatte.
Für mich ist es besonders grausam, wenn ich mir selbst zur Schlange werde und sage "Och, das ist schon in Ordnung so". Nicht, weil ich schwach werde und es zu rechtfertigen suche. Das scheint mir ein ziemlich normaler Prozess zu sein. Mich irritiert, daß ich sündige, obwohl ich es nicht will, und daß ich - schon bevor die Worte gesprochen sind - weiß, daß es eben nicht in Ordnung ist. Ich belüge mich selbst und Gott und spüre das Gewicht nur zur Hälfte. Erst, wenn ich aus dem Beichtstuhl komme und der mir aufgetragenen Buße nachkomme, merke ich, welche Last nun plötzlich weggenommen ist. Dann blicke ich zurück. Dann erkenne ich, wie weit ich von dem entfernt bin, was ich sein sollte und sein könnte. Und dann schmerzt es doppelt. Aber dann heilt die Vergebung auch zweifach. Klar, ich bin natürlich blöd und schwach genug, trotzdem wieder zu sündigen.
Ich will hier nicht die dicke "Asche auf mein Haupt"-Schiene fahren. Ich weiß selbst, daß ich hin und wieder auch was Anständiges auf die Beine bringe. Aber wenn ich Gutes tue, weil Gott mich und alle anderen Menschen liebt und ich ihm auf meine unbeholfene Art zeigen will, daß ich das verstanden habe, indem ich sowohl mich als auch Andere entsprechend unserer uns von Gott gegebenen Natur behandle, was haben dann meine Sünden zu bedeuten?


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